Telefonieren in Deutschland – Wie Maria die ungeschriebenen Regeln lernte (A2-B1)
Warum schauen dich alle in der U-Bahn komisch an, wenn du telefonierst? Warum muss man sich mit Vor- und Nachnamen vorstellen? In Deutschland gibt es ungeschriebene Telefon-Regeln, die viele Deutschlernende erst durch peinliche Situationen kennenlernen. Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten kulturellen Unterschiede – damit du professionell telefonierst, ohne in Fettnäpfchen zu treten.

Telefonieren ist mehr als nur sprechen – es ist Kultur.
Jedes Land hat eigene, oft ungeschriebene Regeln für Telefongespräche. In Deutschland gibt es besondere Erwartungen an Höflichkeit, Struktur und Rücksichtnahme. Wer diese kennt, vermeidet Missverständnisse und hinterlässt einen professionellen Eindruck.
Eine wahre Geschichte
Maria sitzt in der S-Bahn in Hamburg. Ihr Handy klingelt – ein Anruf von ihrer Mutter aus Spanien. Maria freut sich und nimmt ab.
„¡Hola mamá! Sí, sí, estoy bien…“ Maria spricht normal laut, lacht, erzählt von ihrer Woche.
Plötzlich bemerkt sie: Die Frau neben ihr schaut sie irritiert an. Der Mann gegenüber runzelt die Stirn. Alle um sie herum sind still. Sehr still.
Maria wird unsicher. Hat sie etwas falsch gemacht?
Als sie aufgelegt hat, sagt ihr deutscher Kollege Thomas leise: „In Deutschland telefoniert man nicht so laut in der Bahn. Die Leute mögen das nicht.“
Maria ist überrascht. „Wirklich? In Spanien ist das total normal!“
„Ja“, sagt Thomas, „aber hier ist das anders. Deutschland hat… besondere Regeln fürs Telefonieren.“
Die ungeschriebenen Regeln
In den nächsten Wochen lernt Maria: Telefonieren in Deutschland folgt klaren, aber oft unausgesprochenen Regeln. Regeln, die niemand ihr im Deutschkurs erklärt hat. Regeln, die man nur durch Beobachten – oder durch peinliche Momente – lernt.
Regel 1: In der Öffentlichkeit leise sein
Maria beobachtet: Deutsche telefonieren in der U-Bahn, im Bus oder im Café sehr leise. Manche gehen sogar nach draußen, wenn sie einen Anruf bekommen.
„Warum?“, fragt Maria Thomas.
„Privatsphäre„, erklärt Thomas. „Die Deutschen mögen es nicht, wenn andere ihre Gespräche mithören. Und sie wollen auch nicht die Gespräche von anderen hören.“
In Spanien, erzählt Maria, sei das anders. Da telefoniere jeder überall, und niemand finde das seltsam.
„Ja“, sagt Thomas, „aber hier in Deutschland ist das respektlos. Die Leute denken: ‚Warum muss ich zuhören, was diese Person am Telefon erzählt?'“
Maria lernt: In Deutschland gilt – je öffentlicher der Ort, desto leiser das Gespräch. Oder besser: gar kein Gespräch.
Regel 2: Keine Geräusche am Telefon
Ein paar Tage später sitzt Maria in der Pause und isst ein Brötchen. Ihr Handy klingelt – es ist die Rezeption. Ein Gast hat eine Frage.
Maria nimmt ab, während sie noch kaut. „Hotel Hanseat, hallo?“
Am Abend sagt ihre Chefin: „Maria, bitte iss nichts, während du telefonierst. Das klingt sehr unprofessionell.“
Maria wird rot. In ihrer Heimat ist das kein Problem. Aber in Deutschland?
„Die Deutschen achten sehr auf Geräusche am Telefon“, erklärt die Chefin. „Kauen, Trinken, Rascheln mit Papier – das alles stört. Beim Telefonieren sollte nur deine Stimme zu hören sein.“
Maria lernt: Am Telefon zählt nur die Stimme. Alles andere – essen, trinken, mit Papier rascheln – wirkt unhöflich.
Regel 3: Die magische Formel
Am nächsten Tag ruft Maria bei einem Lieferanten an. Sie sagt: „Hallo, hier ist Maria.“
Der Mann am Telefon wartet. Es entsteht eine unangenehme Pause.
Dann fragt er: „Maria… von welcher Firma?“
Maria versteht. Sie hätte sagen sollen: „Maria Gonzalez, Hotel Hanseat, guten Tag!“
Thomas erklärt ihr später: „In Deutschland stellt man sich am Telefon immer mit Vor- UND Nachnamen vor. Und wenn du für eine Firma anrufst, nennst du auch die Firma. Das ist die Regel.“
Maria kennt das anders. In Spanien sagt man oft nur den Vornamen. Aber in Deutschland?
„Hier ist Struktur wichtig“, sagt Thomas. „Die Leute wollen sofort wissen: Wer ruft an? Warum? Von wo?“
Maria lernt: Die perfekte Begrüßung am Telefon lautet: „Vorname Nachname, Firma/Hotel, guten Tag!“ Diese Formel öffnet Türen.
Regel 4: „Haben Sie gerade Zeit?“
Maria ruft bei einem Hotel-Lieferanten an, um Bettwäsche zu bestellen. Sie kommt direkt zum Punkt: „Ich brauche 50 Bettlaken.“
Der Mann sagt: „Moment, ich bin gerade in einem Meeting. Kann ich Sie in einer Stunde zurückrufen?“
Maria ist überrascht. Warum hat er dann abgenommen?
Thomas erklärt: „In Deutschland fragt man: ‚Haben Sie gerade Zeit?‘ oder ‚Störe ich gerade?‘ Das zeigt Respekt für die Zeit des anderen.“
In vielen anderen Ländern, erzählt Maria, würde man das nicht fragen. Wer abhebt, hat Zeit. So einfach.
„Ja, aber hier ist das unhöflich“, sagt Thomas. „Die Deutschen planen gerne. Sie wollen nicht überrumpelt werden.“
Maria lernt: Immer fragen: „Haben Sie gerade kurz Zeit?“ Das zeigt Respekt und Professionalität.
Regel 5: Lass den anderen ausreden
Maria telefoniert mit einem Gast, der sich beschwert. Der Mann redet und redet. Maria wird ungeduldig und unterbricht: „Ja, aber ich kann Ihnen—“
Der Mann wird ärgerlich: „Lassen Sie mich bitte ausreden!“
Maria ist frustriert. In ihrer Kultur ist es normal, sich gegenseitig zu unterbrechen. Das zeigt Interesse!
Aber Thomas schüttelt den Kopf: „In Deutschland gilt: Wer redet, hat das Wort. Du unterbrichst nicht, bis die Person fertig ist. Dann bist du dran.“
Maria findet das seltsam. „Aber dann dauern Gespräche doch ewig!“
„Ja“, lacht Thomas, „manchmal schon. Aber das ist die deutsche Art. Struktur und Reihenfolge sind wichtig.“
Maria lernt: In Deutschland spricht immer nur eine Person. Unterbrechen gilt als unhöflich – auch wenn man helfen will.
Regel 6: Die Macht des Lächelns
„Warum lächelst du, wenn du telefonierst?“, fragt Maria Thomas eines Tages.
„Weil man es hören kann!“, sagt Thomas.
„Was? Wie soll man ein Lächeln hören?„
Thomas lacht. „Probier es aus! Sag einmal ‚Guten Tag‘ – ohne Lächeln. Und dann mit Lächeln.“
Maria probiert es. Tatsächlich! Ihre Stimme klingt mit Lächeln viel freundlicher, heller, positiver.
„Die Deutschen achten sehr auf den Tonfall“, erklärt Thomas. „Eine freundliche Stimme öffnet Türen. Eine genervte Stimme macht alles schwieriger.“
Maria lernt: Lächeln beim Telefonieren ist nicht dumm – es ist professionell. Die Stimme wird automatisch wärmer.
Regel 7: Die Zusammenfassung am Ende
Maria telefoniert mit einem Gast über eine komplizierte Buchung. Am Ende sagt sie: „Okay, danke. Tschüss!“
Ihre Chefin schüttelt den Kopf. „Maria, fass immer zusammen, was ihr besprochen habt!“
„Warum?“
„Weil die Deutschen das erwarten. Sie wollen Klarheit. Keine Missverständnisse.„
Maria lernt: Am Ende eines geschäftlichen Telefonats sollte man sagen:
„Also, wir halten fest: Sie kommen am 15. März an, möchten ein Doppelzimmer mit Frühstück, und ich schicke Ihnen die Bestätigung per E-Mail. Ist das richtig?“
Das klingt nach viel Arbeit. Aber die Gäste sind immer zufrieden, wenn Maria das macht.
Maria lernt: Deutsche lieben Struktur und Klarheit. Eine Zusammenfassung zeigt: Ich habe zugehört, und wir haben das Gleiche verstanden.
Die Liste: Was Maria gelernt hat
Nach drei Monaten hat Maria eine Liste erstellt. Sie hängt neben dem Telefon an der Rezeption:
Die deutschen Telefon-Regeln
In der Öffentlichkeit:
- Leise sprechen oder besser: rausgehen
- Gespräche kurz halten
- Nicht in der U-Bahn, im Bus oder im Wartezimmer laut telefonieren
Am Telefon (geschäftlich):
- Vorstellen: „Vorname Nachname, Firma, guten Tag!“
- Zeit respektieren: „Haben Sie gerade kurz Zeit?“
- Anliegen klar formulieren: „Ich rufe an wegen…“
- Ausreden lassen: Nicht unterbrechen!
- Rückfragen nutzen: „Verstehe“, „Ja, genau“ → zeigt Aufmerksamkeit
- Zusammenfassen: „Wir können also festhalten, dass…“
- Höflich verabschieden: „Vielen Dank für das Gespräch. Auf Wiederhören!“
Das soll man vermeiden:
- Essen, trinken oder kauen während des Telefonats
- Mit Papier rascheln
- Zu laut sprechen
- Endlose Monologe
- Jemanden ohne Vorwarnung in die Warteschleife legen
„Das Wichtigste“, sagt Thomas, „ist nicht, dass du perfekt Deutsch sprichst. Das Wichtigste ist, dass du die Regeln kennst. Dann fühlen sich die Deutschen respektiert.“
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Gut zu wissen: Rechtliches und Praktisches
Telefonaufnahmen:
In Deutschland darf man Telefongespräche nicht ohne Erlaubnis aufzeichnen. Das ist illegal! Wenn du ein Gespräch aufnehmen möchtest, musst du vorher fragen: „Darf ich unser Gespräch aufzeichnen?“
Vorwahlen:
In Deutschland muss man immer die Vorwahl mitwählen – auch wenn man in der gleichen Stadt anruft. Beispiel: Du bist in Hamburg und rufst in Hamburg an? Du wählst trotzdem: 040 + Nummer.
Aus dem Ausland nach Deutschland:
Statt der 0 am Anfang wählt man +49. Beispiel: Hamburg 040 wird zu +49 40.
Marias Fazit nach sechs Monaten
„Am Anfang fand ich die deutschen Telefon-Regeln seltsam“, sagt Maria. „Warum so kompliziert? Warum so förmlich?“
„Aber jetzt verstehe ich: Es geht um Respekt. Respekt für die Zeit des anderen. Respekt für die Privatsphäre. Respekt für klare Kommunikation.“
„Und weißt du was? Seitdem ich die Regeln kenne, fühle ich mich beim Telefonieren viel sicherer. Ich weiß, was die Leute erwarten. Ich weiß, wie ich professionell klinge. Und ich mache keine peinlichen Fehler mehr in der S-Bahn!“
Dein nächster Schritt
Telefonieren in Deutschland ist anders – aber nicht schwierig. Du musst nur die Regeln kennen.
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Wie Maria. Die heute nicht mehr unsicher in der S-Bahn telefoniert. Sondern selbstbewusst – und leise. Und die bei jedem geschäftlichen Anruf lächelt, sich mit vollem Namen vorstellt und am Ende zusammenfasst.
Professionell. Respektvoll. Deutsch.
Viel Erfolg beim Telefonieren! 📞🇩🇪
Hast du auch komische Erfahrungen mit Telefonieren in Deutschland gemacht? Erzähl uns deine Geschichte in den Kommentaren!